

Allerdings müssen extrem hohe Ströme fließen, damit ein starkes Magnetfeld erzeugt wird. Mit einem kleinen Trick kann man allerdings die Stärke des Magnetfelds verdoppeln: Statt einer einzigen Windung nimmt man einfach zwei. Dabei überlagern sich die magnetischen Feldlinien, so daß sich die Stärke des Elektromagneten verdoppelt. Was mit zwei Windungen funktioniert, funktioniert auch mit noch mehr Windungen. Üblicherweise führt man dabei die Wicklung als Zylinderspule aus wie in Bild 3:
Bild 3: Elektromagnet mit Zylinderspule
Da die Zylinderspule durch die nebeneinanderliegenden Windungen eine bestimmte Länge besitzt, überlagern sich die Feldlinien nicht vollständig. Dies hat zur Folge, daß die Feldstärke etwas kleiner ist, als man aufgrund der Windungszahl erwarten würde. Bei einer engen Wicklung (d.h. ohne Abstand zwischen den Windungen) mit im Resultat kurzer Spulenlänge ist die Feldstärke größer als bei einer lockeren Wicklung mit im Resultat großer Spulenlänge. Je größer der Abstand zwischen den Windungen, desto mehr Feldlinien "kürzen den Weg ab", wie dies in Bild 3 exemplarisch anhand einer einzelnen Feldlinie blau dargestellt ist.
Die Stärke des Elektromagneten kann man bedeutend erhöhen, indem man das Innere der Wicklung eines Elektromagneten mit ferromagnetischem Material füllt. Ferromagnetisches Material ist für magnetische Feldlinien ungefähr das, was Kupfer für elektrischen Strom ist. Wenn sie können, fließen magnetische Feldlinien daher durch ferromagnetisches Material statt durch Luft, auch wenn der Weg länger ist. Dadurch werden die Feldlinien entlang der Wicklung sozusagen aufgesammelt, d.h. es gibt deutlich weniger Feldlinien, die "den Weg abkürzen". Dies ist aber nur ein kleiner Teil des Effekts. Der bedeutend größere ergibt sich dadurch, daß die Elementarmagnete durch das von der Wicklung erzeugte Feld kippen und dadurch die Stärke des Magneten drastisch erhöhen.
Der Vorteil von Elektromagneten gegenüber Permanentmagneten ist, daß man sie Ausschalten kann, um z.B. durch magnetische Kraft angezogene Gegenstände wieder loszulassen. Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn man zur Verstärkung des Magnetfelds als ferromagnetisches Material sogenanntes weichmagnetisches Material wie z.B. reines Eisen verwendet. Bei diesem kehren die Weißschen Bezirke nach Abschalten des äußeren magnetischen Felds im Gegensatz zu hartmagnetischen Materialien, die man zur Herstellung von Permanentmagneten benutzt, fast vollständig in ihre Ruheposition zurück. Einen geringen Restmagnetismus kann man allerdings nicht vermeiden.