

Murphy&Spitz Research analysiert und bewertet Unternehmen aus dem Bereich des
nachhaltigen Investments. Dabei liegt der Fokus sowohl auf Finanz- und
Wirtschaftskennzahlen als auch gleichgewichtet auf die ethisch-ökologische
Ausrichtung der Unternehmen.
Das eigene Researchteam beobachtet konstant weltweit ca. 200 Unternehmen, wobei
der Schwerpunkt von Murphy&Spitz Research auf deutschen Unternehmen liegt.
Zu nachhaltigen Investments gehören erneuerbare Energie, nachwachsende
Rohstoffe, Wasser, Naturkost, ökologische Mobilität, Gesundheit und
Energieeffizienz.
Neodym und Windkraftanlagen
Neodym gehört zu den leichten Seltenen Erden. In Verbindung mit Eisen und Bor ist
Neodym einer der stärksten Magneten. Mit dieser Eigenschaft wird Neodym in
Kernspintomographen, Festplatten, Hybridautos und auch in Windkraftanlagen
eingesetzt.
Der Abbau und die Extraktion der Seltenen Erden und damit auch von Neodym ist mit
erheblichen Umweltrisiken verbunden.
Nachhaltige Unternehmen müssen aus Sicht von Murphy&Spitz Research über den
gesamten Lebenszyklus nachhaltig arbeiten. Während sich bei einigen Herstellern die
Nachhaltigkeit sowohl im Produkt als auch in der gesamten Produktionsweise
widerspiegelt, gibt es andere Hersteller, die sich allein auf die Nachhaltigkeit ihres
Produkts beschränken. Ihre Produktion und ihre Lieferanten lassen sie außen vor. Für
die Anlageentscheidungen von Murphy &Spitz ist eine durchgängig konsequente
Ausrichtung der Unternehmen entscheidend.
Die folgende Untersuchung zu Neodym und Windkraftherstellern zeigt, wie wichtig es
ist, an den richtigen Stellen zu differenzieren.
Der vorliegende Bericht von Murphy&Spitz Research beschäftigt sich mit:
1. Der Relevanz von Neodym bei Windkraftanlagen
2. Den Umweltauswirkungen bei der Förderung und Extraktion der Seltenen Erden
im speziellen Neodym
3. Den Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen für die
Anlageentscheidungen von Murphy&Spitz
1. Relevanz von Neodym bei Windkraftanlagen
Einsatz von Neodym in Windkraftanlagen
Eine Windkraftanlage besteht normalerweise aus drei Teilen:
1. Rotor
2. Getriebe und
3. Generator.
Bei einer Windkraftanlage mit Direktantrieb ist das anders. Diese besteht nur aus
1. Rotor
2. Generator
Beim Direktantrieb lässt man das Getriebe weg. Um die Direktantriebstechnik zu
realisieren, braucht man starke Magnete. Dafür kann man Elektromagnete oder starke
Permanent-Magnete einsetzen.
Für die Elektromagnete ist Kupfer der wesentliche Ausgangsstoff.
Bei den starken Permanent-Magneten wird häufig Neodym eingesetzt.
Bei den Anlagen mit Direktantrieb ist von Vorteil, dass sie wesentlich wartungsärmer
sind, einen geringeren Serviceaufwand verursachen und deutlich weniger Gewicht
haben. Beispielsweise ist kein Getriebeölwechsel nötig und es sind weniger
Verschleißteile vorhanden. Die genannten Vorteile sind gerade im Offshore Bereich ein
Pluspunkt der Direktantriebe.
In rund einem Sechstel der neu installierten Windkraftanlagen sind Neodym Magnete
enthalten [1].
Eine Pauschalverurteilung von Windkraftanlagen oder dies allgemein als schmutzige
Seite der Windenergie zu bezeichnen, wie etwa von dem Magazin Panorama in einem
Beitrag vom April diesen Jahres [2], ist aus Sicht von Murphy&Spitz Research zu
pauschal. Es ist vielmehr wichtig an dieser Stelle genau zu differenzieren: Neodym
wird nur bei der Direktantriebstechnik und hier auch nur bei bestimmten Herstellern
verwendet.
Die Anlagen mit Direktantrieb sind auf dem Vormarsch, da große Firmen wie Siemens
und General Electrics in diese Technologie seit 2010 mit eingestiegen sind [3]. Auch
die Mengen pro Anlage sind nicht unerheblich; pro Megawatt Leistung braucht man ca.
200 kg Neodym, das heißt 1 t für eine 5 MW Anlage [4].
Tendenz zum Einsatz von Neodym einiger ausgewählter Windkraftherstellern
Murphy&Spitz Research hat bei einigen ausgewählten Herstellern deren Position zu
Neodym abgefragt.
Nordex: Nordex selbst setzt derzeit kein Neodym ein. Man behält sich aber vor, in die
Direktantriebstechnik einzusteigen. Man überlegt wie man sich dafür Neodym
Ressourcen oder Alternativen sichern kann. Über die Umweltaspekte im
Zusammenhang mit Neodym war man bei Investor Relations bei Nordex sehr gut
informiert.
Enercon: Die Firma Enercon, die die Direktantriebstechnik maßgeblich entwickelt hat,
verwendet Elektromagnete (also kein Neodym).
Siemens: Siemens gehört nicht zum Anlagepanorama von Murphy&Spitz. Da aber
Siemens bekanntermaßen Direktantriebe mit Neodym einsetzt, hat Murphy&Spitz
Research interessiert, welche Position Siemens hierzu hat. Siemens sucht verstärkt
nach alternativen Zulieferern außerhalb von China und möchte die eingesetzte Menge
reduzieren und Recyclingmöglichkeiten schaffen. Aus Umweltsicht eine gute Strategie,
wenn diese so auch umgesetzt wird.
Vensys/Goldwind: Vensys und damit Goldwind verwenden Neodym und bestätigen
dies auch auf Nachfrage. Nach Aussage des Unternehmens hat man die zwei
Hauptlieferanten von Neodym überprüft, ob sie die ISO 14001 einhalten, dies sei der
Fall. Die Hersteller und ihre Zertifizierung wurden nicht transparent gemacht.
2. Umweltauswirkungen bei der Förderung und Extraktion der
Seltenen Erden im speziellen Neodym
97% des Neodyms werden in China abgebaut. Die Hälfte der in China abgebauten
Seltenen Erden kommen aus der Mine Bayan Obo (mongolisch für wunderbarer Berg)
[5] in der inneren Mongolei. Auch gibt es derzeit noch viele illegale Abbaustätten.
Nach Recherchen von "Menschen und Schlagzeilen/NDR" im nordchinesischen Baotou
ist die Umgebung rund um die Fabriken, die das Neodym vom Erz trennen, verseucht.
Die Brunnen der Region sind kontaminiert und können weder zur
Trinkwassergewinnung noch für die Landwirtschaft eingesetzt werden. Die Krankheitsund
Krebsrate sowie die Sterblichkeit in den umgebenden Gebieten ist signifikant
erhöht [5].
Die Abfallstoffe des Aufbereitungsprozesses wie zum Beispiel giftige Chemikalien
werden einfach in riesigen künstlichen Auffangbecken, dem „See der Seltenen Erden“
gesammelt. In den vergangenen Jahren haben sich dort 150 Millionen Tonnen Abraum
mit giftigen Stoffen angesammelt. Darunter sind 90.000 t mit radioaktivem Thorium.
Uran und Thorium treten in Gesellschaft mit Neodym auf, so dass bei der Aufbereitung
nicht nur giftige Substanzen, sondern auch radioaktive Substanzen entstehen. Auf
diese Weise werden Uran und Thorium bei dem Aufbereitungsprozess von Neodym
freigesetzt und kommen in den Wasser- und in den Luftpfad.
Dies bekommen die Anwohner rund um das Gebiet des „Sees der Seltenen Erden“ zu
spüren. Seit 2006 sind zum Beispiel in dem kleinen Dorf Dalahai 11 Menschen an
Krebs gestorben [5].
Murphy&Spitz Research erhält mittlerweile Anfragen, ob von den Windkraftanlagen
selbst (aufgrund des Neodyms) Radioaktivität ausgehe. Neodym selbst ist nicht
radioaktiv, von Windkraftanlagen mit Neodym geht keine Radioaktivität aus.
Die folgende Abbildung zeigt die vielfältigen Auswirkungen und Risiken beim Abbau
und den Aufbereitungsprozessen von Seltenen Erden.